zurück

Die grosse Bühne am Berner Loeb-Egge

Die sechs Jahre vor und nach dem Millennium waren für BeatHugi als Marketingleiter und Eventmacher der Buchhandlung Jäggi im Warenhaus Loeb und im Warenhaus Loeb selbst, Wander- und Meisterjahre in einem: Damals konnte er auf der grossen Bühne umsetzen, was früher im Kleinen keimte. Gleichzeitig trieb ihn François Loeb und das hochkarätige Loeb-Team zu neuen Ufern. Galt es doch, die einzigartige Strategie von Kommunikation und Marketing des renommierten Hauses zu halten und weiterzuentwickeln. Chance und Herausforderung in einem.

Hugi erinnert sich noch gut an seinen ersten Tag als Marketingleiter im Loeb. Montagmorgen, halb acht Uhr. Treffen mit dem Team der DekorateurInnen unter der Leitung von Beat Zurflüh und Francois Loeb (FL) in der Spielwarenabteilung, fünfter Stock. Als der Neue oben ankam, rutschten alle hinter FL den Regalen entlang. Auf die Knie heisst für den Warenhauschef: auf Augenhöhe mit den Kindern. Sehen und erkennen, was sie sehen, wenn sie mit ihren Eltern durch den Laden gehen und den Einkauf zumindest mitbestimmen.

 

Die Sicht der andern, der Kundinnen und Kunden, klein und gross, ernst nehmen. Was erwarten sie, was haben sie für Bedürfnisse, wie können wir ihnen als Kommunikatoren welche Geschichte in welcher Form erzählen. Eine Maxime des Hauses. In den Abteilungen, im ganzen Warenhaus, aber – legendär – auch in der als Bühne bespielbaren Schaufensterfront entlang der Spitalgasse.

 

 

Unter François Loebs Regentschaft ging es in den Schaufenstern nicht primär darum, Ware zu verkaufen. Es ging vielmehr darum, Loeb als Marke, als Gefühl, als Erlebnis, als Heimat, als Berner Dorfplatz und initiativen Lebenspartner erlebbar zu machen. Mal wurde das Schaufenster zu Hugis Zeiten zum Hotel umgebaut, in dessen Zimmer übernachtet werden konnte, mal zur Aussenstation des Inselspitals, mal zur Galerie, um – von Mario Botta gestaltet – Dürrenmatts Minotaurus/Labyrinth-Bilderzyklus und sein Centre Dürrenmatt in Neuenburg zu präsentieren, oder Installationen von Berner Künstlern zum Thema «Kunst geht baden» auszustellen und als Abschluss für ein Wasserprojekt in Afrika über die Gasse zu versteigern. Alles übrigens Aktivitäten, die nicht nur Berner Medien zu medialen Themen machten. Das gelang auch, als das Loeb-Team die (auf 2002) verschobene Expo 2001 in den Schaufenstern trotzig im Jahr 2001 stattfinden liess und u.a. einen von Adolf Ogis legendären Bergkristallen samt seinem Wanderstock ausstellen durfte. Einen ebensolchen, aber viel kleineren Bergkristall hatte Bundesrat Ogi zuvor dem damaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan auf einer Wanderung ab Kandersteg geschenkt.

 

Auch Jäggi, Bücher (im Loeb) durfte zur Eröffnung der beiden Verkaufsflächen im ersten und zweiten Sous-sol des Warenhauses die Fensterfront für eine dreiwöchige Präsentation nutzen. Gleichzeitig lancierte die Buchhandlung ein Event-Café mit Kleinbühne auf der zweiten Sous-sol-Etage. Auf der ersten Etage übrigens stand den Familien und Kindern ein grosszügiger Spielplatz zur Verfügung. Auch hier: Viele Quadratmeter ohne Warendruck, dafür Freiraum für Eltern, Grosseltern, Göttis und Gotten mit Kindern.

 

Zwei- bis dreimal pro Jahr bespielte das Loeb-Team um Beat Hugi auch den öffentlichen Raum in Bern: Zu Silvester 1999/2000 wünschten beispielsweise über 1000 Kaminfeger in Vollmontur aus der ganzen Schweiz dem neuen Bundespräsidenten Adolf Ogi auf dem Bundesplatz ein gutes neues Millennium-Jahr an. Dazu gab es Champagner für alle. Auch für den Magistraten, der die Wünsche der schwarzgewandeten GlücksbringerInnen persönlich entgegennahm. Ein anderes Mal zog eine Hundertschaft von Walliserinnen und Walliser mit Kühen, Schafen, Ziegen, Masken und Treicheln in einem bunten Umzug durch die Stadt, während im Loeb-Schaufenster und im fünften Stock für drei Wochen das Wallis kulturell und kulinarisch zu Gast war. Im sogenannten «Bärengraben» im vierten Stock zeigte Hugis Team ein paar Monate später 60 Werke von Cuno Amiet aus der Kunstsammlung von François Loebs Vater und Grossvater.

 

Zeugen einer loeblichen Aktion zieren heute noch den Schmiedenplatz beim Berner Kornhaus. Die Pflastersteine tragen die Namen von Menschen, die sich das gewünscht haben. Loeb liess deren Namen eingravieren und die Pflastersteine setzen. Dazu gab es ein Einweihungsfest mit kleiner Bühne und einem Auftritt der Band «Span»: Lauenensee in der Berner Altstadt. Mehrmals im Jahr wurde zudem der Loeb-Egge zur Bühne und zum Event-Bereich: Polo Hofer spielte hier openair mit seiner Schmetterband auf, Ted Scapa malte öffentlich ein Bild für einen guten Zweck, Schriftstellerinnen und Schriftsteller inszenierten neue Bücher, Marcus Pfister malte seinen berühmten Regenbogenfisch.

 

 

Einmal stand am frühen Morgen die tonnenschwere Mystery-Park-Lokomotive in der nahen Gurtengasse, ein anderes Mal eine Komposition der RBS, die von Matthias Winkler bemalt und von Nicole Loeb getauft wurde. Oder Loebs Märchentram, das an Weihnachten durch Berns Gassen fuhr. In einem Jahr war es gemeinsam unterwegs mit Tram und Trampel, den beiden Helden einer Bilderbuch-Liebesgeschichte zwischen einem Neuner-Tram und einem Elefanten des Zirkus Knie, die Loeb zusammen mit Jäggi, Bücher (im Loeb) als Buch und Hörspiel produziert hat.

 

Last but not least: Als der Hochseilartist Fredy Nock auf einem Seil, das zwischen zwei Kranwagen über der Gurtengasse gespannt wurde, in 30 Meter Höhe bei zunehmendem Wind ungesichert auf dem Seil tänzelte, blieb nicht nur François Loeb die Spuke weg.

Gut zu wissen

Den Anspruch, sich als Marke, als Unikat, als «Heimat» zu präsentieren, in welcher Branche Sie auch aktiv sind, ist nicht an bestimmte Grössen und Flächen geknüpft. Der Anspruch kann immer und überall ernst genommen und entsprechend bedient werden. Analog oder digital.

Das frühere Konzept von Loeb und Jäggi scheint uns von alles in allem weit über deren aktuelle Vergänglichkeit oder zumindest Reduziertheit schlüssig zu sein. Es dient uns weiterhin täglich als Denkanstoss und Vorbild. Es ist voller Meilen- und Marksteine, die es immer und immer wieder zu beachten gilt und im besten Fall neu zu setzen gibt. Auf den Knien oder im aufrechten Gang. Die auf diesen Seiten präsentierten Taten zeugen davon. Sie sind Credo und Versprechen in einem.

 

Kontakt

 

alles in allem
Beat Hugi und Ruth Blum
Feldstrasse 10 // Postfach
CH-4900 Langenthal
Phon 0041 (0) 62 923 15 75 // Handy 0041 (0) 79 228 02 63
E-Mail: chefsache@allesinallem.ch